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KassenwartÜbergabeVereinsrecht

Der Kassenwart hört auf. Und jetzt?

Alan Murphy·

Ein USB-Stick ist kein Übergabekonzept

Letztes Jahr hat der Kassenwart in unserem Tennisverein aufgehört. Nach sechs Jahren. Er hat gute Arbeit gemacht — aber irgendwann reicht es halt, das ist Ehrenamt.

Die Übergabe lief so: Der Nachfolger bekam einen USB-Stick. Darauf: vier Excel-Dateien, ein Ordner mit PDFs, und eine Textdatei mit dem Passwort für das Online-Banking. Das Passwort hieß Tennis2019!. Es war noch dasselbe von 2019.

Drei Wochen später hat der neue Kassenwart mich angerufen. „Ich finde die Rechnungen von letztem Quartal nicht. Und welche Mitglieder haben den Sommerkurs eigentlich bezahlt?"

Die ehrliche Antwort: Keine Ahnung. Das wusste nur der alte Kassenwart. Und der war im Urlaub.

Warum das ein echtes Problem ist

Es klingt nach Kleinkram. Ist es nicht.

Haftung: Der neue Kassenwart ist ab dem Moment der Wahl verantwortlich. Nicht ab dem Moment, wo er sich eingearbeitet hat. Nicht ab dem Moment, wo er alles verstanden hat. Sofort. Wenn das Finanzamt drei Monate später eine Rechnung von 2022 sehen will und die liegt auf einem USB-Stick, der jetzt in irgendeiner Schublade ist — dann ist das sein Problem.

Aufbewahrungspflicht: Vereine müssen Rechnungen und Belege 10 Jahre aufbewahren. Zehn. Jahre. Wenn der Vorgänger das auf seinem privaten Laptop hatte und der ist jetzt neu formatiert — Pech.

Kontinuität: Offene Posten, laufende Mandate, ausstehende Mahnungen — all das geht verloren, wenn es keinen sauberen Übergang gibt. Mitglieder merken das spätestens, wenn sie plötzlich doppelt abgebucht werden. Oder gar nicht.

Was bei den meisten Vereinen passiert

Ich hab mit ein paar anderen Vereinen geredet. Das Muster ist überall gleich:

  1. Der alte Kassenwart kündigt an, dass er aufhört (meistens viel zu spät)
  2. Irgendjemand wird überredet, den Job zu übernehmen (meistens ungern)
  3. Es gibt ein Treffen, bei dem Ordner und Dateien übergeben werden
  4. Der neue Kassenwart sitzt danach allein da und versteht die Hälfte nicht
  5. Drei Monate lang ruft er den Vorgänger regelmäßig an
  6. Irgendwann funktioniert es — oder auch nicht

Kein Protokoll. Keine Dokumentation. Kein Finanzbericht zum Zeitpunkt der Übergabe. Wenn es später Fragen gibt, steht Aussage gegen Aussage.

Was eine ordentliche Übergabe bräuchte

Eigentlich ist es nicht kompliziert. Man bräuchte:

Warum ich das in BeitragsKlar eingebaut habe

Als ich angefangen habe, BeitragsKlar zu bauen, stand die Kassenwart-Übergabe nicht auf meiner Liste. Ich dachte, das ist ein einmaliges Problem.

Dann hab ich mit mehr Vereinen geredet. Jeder hatte eine Horrorstory. Der Nachfolger, der monatelang keinen Zugang hatte. Die fehlenden Belege, die erst beim Steuerberater aufgefallen sind. Der alte Kassenwart, der plötzlich nicht mehr erreichbar war.

Also hab ich es gebaut. Nicht als Feature für die Marketingseite, sondern weil es mich genervt hat, dass das niemand löst.

So funktioniert es: Der aktuelle Kassenwart gibt die E-Mail des Nachfolgers ein. Der bekommt eine Einladung. Wenn er annimmt, sieht er den automatisch erstellten Finanzbericht — offene Rechnungen, Kontostand, Mitgliederstatus. Wenn er bestätigt, wird die Rolle gewechselt. In einer Transaktion. Kein Zwischenzustand, bei dem beide oder keiner Zugang hat. Das Protokoll wird als PDF archiviert. 10 Jahre, wie alles andere.


Wenn euer Verein vor einer Kassenwart-Übergabe steht — oder wenn ihr einfach vorsorgen wollt: Schreibt mir. Ich erzähl euch gern, wie es bei anderen Vereinen gelaufen ist.